Manchmal erzählen Bilder, was Worte nicht sagen können. Und umgekehrt: Manchmal bringen Worte zum Ausdruck, was in Bildern zu zeigen schwierig ist. Deshalb begleiten manchmal Haikus meine Werke. Diese wunderbare atmosphärisch dichte japanische Gedichtform. Die Worte umarmen die Bilder, erklären sie und öffnen Räume, die die Leinwand erweitern.
Passagen der Melancholie
Diese Situationen im Leben, in denen man spürt, es geht nicht weiter wie bisher. Etwas muss sich ändern, aber man zögert, weiß nicht, wie und wohin, verharrt erst einmal im Vertrauten. Die Veränderung aber lockt bereits und zieht uns schon weg vom Vertrauten, zu eng Gewordenen
Altes wird zu eng,
die Räume atmen nicht mehr,
Sehnsucht füllt die Luft
Tage mit Gewicht,
zu schwer auf meiner Haut,
Ahnung webt sie neu
Nächte wie Blei,
Hoffnung spinnt ein Gewebe,
das bald trägt
Farben verblassen,
das Vertraute glänzt nicht mehr,
Zeit, neu zu malen
Rhythmus kaum hörbar,
das Herz schlägt schon anderswo,
zieht ins Neue hinein
Die Frage wird laut,
Bleibe ich, wo nichts mehr ist?
Die Antwort: gehe los
Mauern rings herum,
mein Atem drückt Risse rein,
Wege öffnen sich
Ich sehe die Hand,
wie sie unruhig mehr verlangt,
zeichnet das Neue
Stille wird zu laut,
meine Weisheit ahnt den Weg,
in neue Freiheit
Im Spiegel ein Blick,
der nicht mehr zum Heute passt,
Zukunft blitzt auf
Unruhige Nächte,
der Morgen reißt Türen auf,
Neuland liegt bereit
Winds of Change
Ein Wind, ein Sturm, das Gefühl des Neubeginns. Wind ist mehr als nur Wetter – er fordert uns heraus, lässt uns lebendig und befreit fühlen. Er ist ein Impuls zur Veränderung, erinnert daran, dass das Leben nie stillsteht. Und hilft uns bisweilen dabei, endlich aufzubrechen. Sich entschlossen auf den Weg machen, auch ohne Ziel und klare Vorstellung, weil man spürt: Losgehen ist der Anfang. Der Rest wird sich zeigen. Diese Phase braucht Mut und Zuversicht
Wind spielt im Gesicht,
mein Körper antwortet schnell,
Freiheit trägt mich fort
Leichte Brise im Haar,
sie trägt die Zweifel davon,
öffnet Horizonte
Flüstern in den Bäumen,
der Wind erzählt von Fernweh,
ich höre zu
Nichts bleibt ruhig,
Wind schreibt Spuren in den Sand,
es beginnt neu
Sturm bricht herein,
reißt Gewohntes aus den Fugen,
schafft Platz für Neues
Momentum
Impuls, Schwung, Dynamik. Momentum ist der Augenblick, in dem eine Bewegung Fahrt aufnimmt. Ein Impuls reicht – und der Schwung trägt uns weiter. Kein Kraftakt, sondern ein Fluss: Das Gehen wird leichter, der Atem freier, der Blick offener. Im Momentum muss der nächste Schritt nicht mehr errungen werden – er geschieht wie von allein. Ein wunderbarer Zustand
Atme den Morgen,
die Luft riecht nach Neubeginn,
ich gehe los
Neuer Tag beginnt,
die Sonne wärmt das Gesicht,
nur der nächsten Schritt
Neubeginn im Kopf,
kein Kalender schreibt mehr Zeit,
nur die Schritte
Ich löse den Knoten,
Zweifel fällt von den Schultern,
Wege öffnen sich
Erste Tasse Tee,
der Tag schmeckt nach Aufbruch,
klar und unverbraucht
Horizonte - auf dem Weg
Ein Horizont ist nie nur eine Linie. Er ist Versprechen, Übergang und Öffnung. Die Bilder laden dazu ein, den Moment des Unterwegs-Seins zu spüren und zu genießen – dort, wo innere Landschaften und äußere Wege ineinanderfließen. Energie, Bewegung und Wandel verbinden sich, erzählen von Mut, Leichtigkeit und Offenheit. Jeder Schritt wird zur Spur, zur Einladung, Neues zu entdecken. Und immer weiter zu gehen
Der Horizont lockt,
ich nehme die neue Spur,
alles atmet frisch
Weite vor den Füßen,
Atem trägt mich weiter,
der Weg ist frei
Wolken ziehen fort,
ich gehe im gleichen Strom,
leicht wie ein Gedanke
Nicht das Jahr zählt mich,
Jugend lebt im Vorwärtsgehen,
Zeit ist nur Kulisse
Schritte hallen laut,
die Straße scheint ohne Ziel,
mein Blick sucht Weite
Sprung über Steine,
etwas zu viel Schwung,
Balance wird neu gelernt
Eine Drehung nur,
schon wirkt der vertraute Weg
neu und offen
Die Ferne blinzelt,
ein leiser Ruf nach mehr Meer,
meine Schritte antworten
Tür fällt hinter mir,
die Hand löst sich von der Klinke
nichts hält mehr zurück
Im Wind liegt ein Ton,
er spielt mir die Richtung vor,
ich lerne zu tanzen
Ein Flügelschlag weit,
dazwischen ein offener Raum,
Freiheit trägt mich fort
Der Boden schwingt mit,
als wolle er daran erinnern:
gehen heißt vertrauen
Kurz mal umgedreht,
sehe, der alte Pfad verblasst,
leise wie ein Traum
Urban Drift
Bewegung im Rhythmus der Stadt. Menschen, Wege und Eindrücke überlagern sich, ein ständiges Kommen und Gehen. Jeder Schritt wird Teil eines größeren Flusses, der uns trägt und verändert. Das Treibenlassen durch die Stadt, ein urbanes Umherschweifen – ziellos und zugleich voller Entdeckungen. Jeder Schritt öffnet verborgene Passagen, jede Ecke erzählt von Veränderung. Zwischen Beton und Licht entsteht ein Rhythmus, der uns weiterzieht. Es ist die Kunst, sich im Ungeplanten zu verlieren – und darin neue Räume zu finden
Die Stadt rauscht vorbei,
Straßen ohne Plan,
jede Ecke ein neues Bild,
Neon flackert,
im Fenster spiegelt mein Gang,
Nacht trägt mich weiter
Straßen wechseln schnell,
hinter jeder neuen Mauer
wartet eine Spur
Fenster weit offen,
eine Stimme weht herüber,
ich gehe vorbei
Asphalt glänzt im Licht,
die Spuren anderer laufen mit,
ich finde meinen Schatten
Graffiti an der Mauer,
Farben sprengen graue Mauern,
Geschichten erwachen
Die Stadt atmet schnell,
aber in meinem Rhythmus geht
jeder Takt ins Neue
Ein Raum öffnet sich,
kein Ziel, nur der nächste Schritt,
Weite atmet
Zwischen zwei Momenten,
öffnet sich eine stille Tür,
ich trete hindurch
Ein Platz voller Lärm,
aber mein Schritt bleibt stiller Ton,
zur inneren Musik
Fremde Stimmen wehn
fetzenhaft im Vorüber,
meine Spur mischt sich
Fassaden bröckeln,
Graffiti künden von Aufbruch,
die Wand wird zur Karte