Ateliernotizen 01

Manchmal müssen wir gar nichts Neues erschaffen

In den letzten Tagen wollte ich eigentlich nur meine Website überarbeiten. Ich dachte, das wird eine technische Aufgabe. Ein paar Seiten umsortieren. Bilder verschieben. Texte aktualisieren.

Stattdessen hat sich etwas ganz anderes entwickelt. Während ich durch die Arbeiten der vergangenen Jahre ging, fiel mir auf, wie sehr ihre Wirkung von der Ordnung abhing, in der sie präsentiert werden. Einige Bilder hatte ich innerlich längst abgelegt. Nicht, weil sie schwach waren. Sondern weil sie unter einer Jahreszahl verschwanden. 2023, 2024, 2025. Als gehörten sie zu einem abgeschlossenen Kapitel.

Als ich begann, sie aus dieser Chronologie herauszulösen und neu zusammenzustellen, entstanden plötzlich Zusammenhänge, die ich vorher nicht gesehen hatte. Bilder aus unterschiedlichen Jahren begannen miteinander zu sprechen. Themen, die mich schon lange beschäftigen, wurden sichtbar. Nicht als einzelne Projekte in 20 verschiedenen Serien, sondern als kontinuierliche Auseinandersetzung.

Aus vielen kleinen Serien wurden schließlich drei Werkreihen:

„Passagen“ über das Unterwegssein im Leben. Über Übergänge, Aufbrüche und die Räume dazwischen.

„Layers of Self“ über die Schichten, aus denen unsere Identität besteht. Über das, was sichtbar wird und das, was verborgen bleibt. Aber unseren Kern ausmacht, wenn wir keine Rollen mehr spielen.

„Das Leben tanzen“ über Präsenz, Bewegung, Freiheit und den Mut, dem eigenen Rhythmus zu folgen.

Dabei habe ich etwas gelernt, das über die Kunst hinausgeht: Manchmal müssen wir gar nichts Neues erschaffen. Manchmal müssen wir nur das Vorhandene neu betrachten. Entwicklung besteht nicht immer darin, möglichst viel hinzuzufügen. Manchmal entsteht sie erst, wenn wir beginnen, Zusammenhänge zu erkennen, die schon lange da waren.

So hatte ich beim Umbau der Website das Gefühl, einen vertrauten, aber stark verwilderten Garten neu zu bepflanzen. Manche Gewächse mussten weichen. Andere bekamen einen neuen Platz, wo sie nun besser hinpassen und zur Geltung kommen. Und einige, die ich fast vergessen hatte, entpuppten sich plötzlich als sehr stark.

Ich freue mich darauf, die neue Website zu veröffentlichen. Und in den nächsten Tagen und Wochen weiter zu gestalten.

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Wie Kunst Räume in Balance bringt